Streckmittel = dĂŒnnere Hirnrinde đŸ€Ż

Medienmitteilung vom 31.10.2018

GEFAHR 🧠

Kokainstreckmittel steht im Verdacht, HirnschÀden zu verursachen

Wer regelmĂ€ssig Kokain konsumiert, das mit dem Tierentwurmungsmittel Levamisol gestreckt wurde, zeigt schlechtere kognitive Leistungen und verfĂŒgt ĂŒber eine dĂŒnnere Hirnrinde. Dies geht aus zwei aktuellen Studien der UniversitĂ€t ZĂŒrich hervor. Die Forschenden schliessen daraus, dass Levamisol neurotoxisch wirken könnte und plĂ€dieren fĂŒr den Ausbau sogenannter Drug-Checking-Programme.

 Nach Cannabis ist Kokain die am zweithĂ€ufigsten konsumierte illegale Substanz weltweit und wird fĂŒr den Handel auf der Strasse meist gestreckt. (Bild: istock.com/DedMityay)

Kokain ist nach Cannabis die am zweithĂ€ufigsten konsumierte illegale Substanz weltweit und wird fĂŒr den Handel auf der Strasse meist gestreckt. Vor zehn Jahren tauchte neben herkömmlichen Streckmitteln wie LokalanĂ€sthetika, Schmerzmittel und Koffein eine neue Substanz auf, die in Europa und Nordamerika inzwischen weit verbreitet ist: das Tierentwurmungsmittel Levamisol. Warum Levamisol dem Kokain zugesetzt wird, ist nicht vollstĂ€ndig geklĂ€rt. Es wird aber vermutet, dass es die Wirkung des Kokains verstĂ€rkt oder verlĂ€ngert.

Bekannt ist, dass Levamisol bisweilen zu starken Nebenwirkungen wie Blutbild- und GefĂ€ssverĂ€nderungen fĂŒhrt. In frĂŒhen Tierversuchen zeigte sich zudem, dass die Substanz das Nervensystem angreifen kann. Ein Team von Forschenden der Psychiatrischen UniversitĂ€tsklinik und des Instituts fĂŒr Rechtsmedizin der UniversitĂ€t ZĂŒrich untersuchte nun, inwiefern das verbreitete Streckmittel die kognitiven Leistungen und die Hirnstruktur von Kokainkonsumenten beeintrĂ€chtigt und so negative Effekte des Kokains auf das Gehirn verstĂ€rkt.

Höhere Levamisolbelastung, tiefere Hirnleistungen

Um den Kokainkonsum und die Levamisolbelastung einzuschÀtzen, analysierten die Wissenschaftler Haarproben ihrer Studienteilnehmenden. Auf dieser Basis untersuchten sie die intellektuelle LeistungsfÀhigkeit von Kokainkonsumenten mit hohen Levamisolwerten (> 25% im VerhÀltnis zum Kokain) und solchen mit tiefen Levamisolwerten (< 25% im VerhÀltnis zum Kokain) und verglichen sie mit einer Kontrollgruppe von Nicht-Konsumenten.

Wie erwartet, zeigten die Kokainkonsumenten in allen gemessenen Bereichen – Aufmerksamkeit, ArbeitsgedĂ€chtnis, LangzeitgedĂ€chtnis und höhere Planungsfunktionen – schlechtere Leistungen als Nicht-Konsumenten. Allerdings waren Kokainkonsumenten, die zudem eine hohe Levamisolbelastung aufwiesen, in den höheren Planungsfunktionen nochmals wesentlich stĂ€rker beeintrĂ€chtigt als solche mit einer tiefen Levamisolbelastung und dies obwohl sich die beiden Gruppen in ihrem Kokainkonsum nicht unterschieden.

VerÀnderungen in der Gehirnstruktur

In einer zweiten, unabhĂ€ngigen Studie untersuchten die Forscher mittels Magnetresonanztomographie (MRT), ob sich Kokainkonsumenten mit tiefer respektive hoher Levamisolbelastung auch in ihrer Hirnanatomie unterscheiden. TatsĂ€chlich zeigte sich derselbe Effekt auch hier: Bei Kokainkonsumenten mit hohen Levamisolwerten war die Hirnrinde des mittleren Stirnhirnes klar dĂŒnner – eine Region, die wiederum mit den höheren Planungsfunktionen in Verbindung gebracht wird.

Besserer Schutz dank Drogen-Checks

Die beobachteten funktionellen und strukturellen VerĂ€nderungen im Gehirn liefern fĂŒr Forschungsleiter Boris Quednow deutliche Hinweise dafĂŒr, dass Levamisol bei Kokainkonsumenten neurotoxisch wirken könnte: «Wir gehen davon aus, dass nicht nur das Kokain selbst das Gehirn verĂ€ndert, sondern das Streckmittel Levamisol zusĂ€tzlich schĂ€digend wirkt. Kognitive BeeintrĂ€chtigungen, die Kokainkonsumenten ohnehin schon aufweisen, verschlimmern sich dadurch möglicherweise.» Der UZH-Professor und seine Forschungskollegen plĂ€dieren deshalb dafĂŒr, im Rahmen staatlicher Schadensvermeidung sogenannte Drug-Checking-Programme auszubauen. «Auf diese Weise können Konsumenten die Reinheit der erworbenen Substanz testen lassen und sich vor extrem Levamisol-belasteten Kokainproben besser schĂŒtzen», so Quednow.

Literatur:

Vonmoos M, Hirsiger S, Preller KH, Hulka LM, Allemann D, Herdener M, Baumgartner MR, Quednow BB. Cognitive and neuroanatomical impairments associated with chronic exposure to levamisole-contaminated cocaine. Translational Psychiatry. October 27, 2018. DOI 10.1038/s41398-018-0279-3

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